1786
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Ja, Zaub’rin! Du verstehst es zu gefallen.
Du kennst die Macht, die Schönheit dir verliehen.
Der Schönheit Reiz, er wird nicht leicht verziehen.
Dein Blick gebeut. Die Herzen Dir vasallen,
Und hin zu Dir der Wünsche viele ziehen.
Es fast das Herz ein namenloses Sehnen
Beim üppig schönen Reiz der Magdalenen.
Es schwelgt der Geist in sel’gen Reverieen.
Ach, daß sie nimmer, diese Reize wichen,
Wie zaubernd hier der Bildner fest sie bannte!
Doch ob der ersten Jugend Glanz verblichen:
Der Liebreiz ist, die Grazie Dir geblieben.
Der Liebe Kunst übt nur die Geistgewandte.
Dein Auge bürget: Du verstehst zu lieben!
1786
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in weißem Kleide
Dort schau’n wir dich in jugendlichem Prangen,
Ein Engelbild, aus Aether leichtgewoben.
Es hat die Kunst den Liebreiz noch gehoben.
Dem Maler deine Züge wohl gelangen.
Hier hält die Lust, der Frohsinn dich umfangen.
Um deine Lippen muntre Scherze spielen.
Wir seh’n den Kleinen mit dem Bogen zielen.
Es sitzt der Schalk im Aug’ und Mund und Wangen.
Ein zweifach Wesen siehst auf uns du nieder:
Hier mild und fromm, dort schalkhaft, neckend lose,
Hier ein Vergißmeinnicht, dort eine Rose.
Du bist’s, und bist es nicht, und bist es wieder.
Es gleichen beide dir, es gleicht dir keine.
Doch zweifach auch, bist immer du die Eine!
in schwarzem Kleide
Wenn oft die Kunst, die Schmeichlerin, gelogen,
Hier lügt sie nicht. Der kalte Schein des Lebens
Wetteifert mit dem Leben selbst vergebens.
Die Wahrheit hat die Dichtung überwogen
Der Stirne Glanz, der Augen reiner Bogen,
Der Wangen Flor, des Mund’s geborst’ne Kirschen,
Der Locken Nacht, d’rin Liebesgötter bürschen:
Dein Taufschein lügt. Dich hat der Süd gezogen!
Und deine Augen – Sterne? Nein, nicht Sterne.
Der Sterne Strahl ist kalt. Es sind zwei Sonnen,
Zwei Sonnen, ew’ger Gluthen ew’ge Bronnen,
Versengend, ach, die Herzen nah und ferne.
Es hat dein Bild nicht, wir gesteh’n es gerne,
Du selber hast, trotz dir, den Preis gewonnen!